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Wie ich zum Kinomichi fand

So geht das nicht weiter. Du musst Dich mehr bewegen. Schwimmen gehen, wäre gut. Aber morgens im Schwimmbad allein deine Bahnen ziehen, ist auf Dauer monoton. Ich fragte mich: Welcher Sport würde dich reizen, was passt zu mir jetzt? Da kam mir Maria in den Sinn, die muss ich anrufen und fragen.

Der Gedanke verflog und ich rief natürlich nicht bei Maria an. Aber zwei Tage später, wie es der Zufall will, traf ich Maria in der U-Bahn. Ich erzählte ihr, ich hab vorgestern an Dich gedacht. Und Maria erwiderte, komisch, ich auch an Dich. Hast Du Lust, Kinomichi zu machen?

10 Jahre vorher, wir waren noch Nachbarn, hatte ich einmal ein Kinomichi-Training im Dojo von Maria und Eckart mitgemacht. Das Dojo ist ein Aikido-Übungsraum. Es ist ein ungewöhnliches Dojo, ein Kasten auf dem Dach einer alten Fabrik als grüne Metall-Glas-Konstruktionen im Himmel über Steglitz. Ich erinnerte mich an den traumhaften Blick über die Dächer Berlins, den einzigartigen Raum, die netten Leute und dachte, probier es einfach. Wir verabredeten uns für das nächste Training.

Nun bin ich etwa ein halbes Jahr dabei. Ich beginne langsam zu ahnen, warum Maria und Eckart schon seit etwa 25 Jahren Kinomichi praktizieren. Sie haben, wie alle anderen, noch bei Noro persönlich gelernt, dem Begründer des Kinomichi. Vor wenigen Wochen ist Noro in Paris gestorben. Nun übernimmt die nächste LehrerInnen-Generation die Aufgabe, das Kinomichi weiter zu entwickeln.

In Berlin gibt es zwei Kinomichi-Dojos. In ganz Deutschland fünf weitere. Paris, wo Noro lehrte, ist die Kinomichi-Hochburg. Viele der „neuen“ Kinomichi-Lehrer sind Frauen. Ende 2012 begegnete ich auf meinem ersten Neujahrslehrgang gleich zwei dieser „großen“ Lehrerinnen, beide von Statur eher kleine Frauen: Martine Pillet und Monique Pison. Die Bewußtheit und zugleich Geschmeidigkeit Ihrer Bewegungen im Kontakt zu erleben, war ein Aha-Erlebnis für mich.

Neben Eckart sind in unserem Dojo auch die Frauen die „eigentlichen“ Lehrerinnen: Anne Mess und Heike Sobolla. Jede auf ihre Art besonders. In unserer Gruppe gibt es einige, die schon lange den Weg des Kinomichi gehen. Als Anfänger hier in Berlin in direktem Kontakt mit so viel Erfahrung und Perfektion lernen zu können, ist ein großes Geschenk.

Ich bin froh, über Maria und Eckart diese Gruppe und das Kinomichi für mich gefunden zu haben, weniger ein Sport und mehr eine Bewegungs- und Meditationskunst. Ich erlebe mich am Anfang eines Weges. Ich sehe, wie gut mir dieser Weg tut.