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Was erwartete mich auf der Matte?

Ein typisches Kinomichi-Training dauert für mich als Anfänger bisher etwa zwei Stunden vom Ankommen, Umziehen, Aufwärmen, Bewegen bis zum Ausklingen mit einer wohltuenden gegenseitigen Massage z.B. der Schulter oder Entlastung der Gelenke oder des ganzen Körpers.

Wer mag, kann in einem zweiten Teil bei Schwert- oder Stockübungen mit Hilfe von ritualisierten Körperbewegungen meditativ seine Mitte suchen und sich zentrieren.

Wenn Du am Morgen nach dem Training aufstehst, merkst Du, dass Du am Abend zuvor alle Gelenke bewegt hast. Es tut weh. Aber es fühlt sich gut an. Du setzt ganz anders als vorher den Fuß auf die Erde. Du gehst beim bei jedem Schritt in Kontakt mit dem Boden.

Mit jeder Woche Training wird Dir auch im Alltag Dein Bewegen bewusster. Und trotzdem ist nach einem langen Bürotag doch wieder die Schulter verspannt oder der Nacken fest vor dem Training.

Ankommen

Im ersten Teil des Training geht es darum, das jeder für sich im Dojo ankommt, seinen Körper wahrnimmt, Stress und Verspannungen des Tages hinter sich lässt. Körper und Geist schwingen sich im Kontakt mit dem Boden in eine entspannte und gleichzeitig muntere Stimmung ein.

Bewegen

Das Lernen der Techniken, Übungen und Bewegungen hört nie auf. Als Anfänger machst Du einfach mit und nach. Die Übungen in Bewegung sind anfangs oft leichter, weil sie einen Rhythmus haben und im Partnerkontakt durch einfaches Geschehenlassen Teil der eigenen Bewegungsmöglichkeiten wird. Lernen aber braucht Achtsamkeit in langsamen Bewegungen. Das ist anfangs viel schwerer, aber für den Geist äußerst spannend.

Teilbewegungen und Variationen werden daher immer wieder ganz langsam durchgespielt und erspürt. Erst langsam setzen sich Stück für Stück die verschiedenen Mosaiksteinchen zu Übungsfolgen zusammen, in denen Du die verschiedenen Bewegungs- und Griffvarianten wieder erkennst. Der Körper lernt durchs Tun. Der Geist folgt erst später und kann sich oft nur wundern, über das, was da passiert. Es ist ein bisschen wie das Leben, eine Folge von Spiralbewegungen, die ineinander geflochten immer neue Muster und Wege ergeben. Diese Muster der Wege im Voraus zu sehen, gelingt nur den wenigsten.

Beim Erlernen der verschiedenen Kinomichi-Übungen hilft es, sich immer mal wieder die Urbewegungen vor Augen zu führen, aus denen sie entwickelt wurden.

Eine Geschichte z.B. für das itchi geht so: Du bist ein einfacher Bauer auf dem Feld. Bist mit Deiner Arbeit und der Erde verwurzelt. Da kommt jemand und greift Dich mit einem Schwerthieb an. Du hat nur den Stock, den Du gerade in der Hand hast, um Dich zur Wehr setzen zu können. Aber du hast gelernt, wie Du durch Spiralbewegungen Deines Körpers und den richtigen Griff die Energie des Schwertes so umleiten kannst, dass sie an Dir vorbei geht, der Angreifer durch seine eigene Energie zu Boden geht oder seinen Stand verliert. Wenn der Geist die Bewegung des Angreifers erkennt, sie in Spiralformen weiterdenkt und der Körper beinah unbewusst diesen Spiralbewegungen folgt, ist jeder Angreifer machtlos.

Im Kinomichi werden die Spiralbewegungen nicht zum Kampf eingesetzt. Sie führen im liebevoll zugewandten Kontakt zu angenehmen Dehnungen der vom Alltag oftmals vernachlässigten Körperregionen. Die Übungsfolgen sind so aufgebaut, dass bei jedem Training möglichst alle Gelenke und Muskeln bewegt werden.

Der Bewegungsteil des Kinomichi-Training beginnt manchmal mit Stockübungen, die erst einzeln und anschließend als Partnerübungen durchgeführt werden. Bei den Stockübungen spürst Du viel deutlicher, wann genau sich der Schwerpunkt verändert, und siehst klarer, wo die gedachten Spiralbewegungen verlaufen.

Aus wenigen Grundtechniken, Griffformen und Schrittfolgen bilden sich komplexe Bewegungsmuster, die einzeln oder zusammen erdacht und erspürt werden. Aus den ersten sechs Grundtechniken, die aus dem Stand heraus beginnen, ergeben sich immer mehr Variationen, sobald sie in Bewegung und mit unterschiedlichen Griffformen ausgeführt werden. Jede Kontaktvariante eröffnet einen neuen Weg oder eine andere Drehung. Jeder Griffvariante ergibt eine andere Spiralform. Kinomichi ist nie langweilig. Je mehr Du deinen Körper als Bewegungsinstrument kennen lernst, umso facettenreicher wird die Bewegungsmusik, die Du mit Dir und Deinen Partner spielen kannst.

Massieren

Die Schlussübungen sind oftmals Bewegungen, die den Partner zu Boden führen. Diese Bewegung wird anschließend dazu genutzt, um am Boden den Partner zu massieren, letzte Verspannungen zu lösen oder mit Hilfe von Dehnungen verklebte Gelenke zu entlasten.

Jedes Training ist endet damit in einem kleinen Massagekurs. Wir lernen, wie Massage einfühlsam, angenehm und schmerzlösend wirken kann. Durch den Rollenwechsel, ist es wie beim Bewegen sehr lehrreich, die Unterschiede zu erleben, was es heisst, zu massieren und massiert zu werden.

Meditieren

Den zweiten Teil des Trainings nutzten Fortgeschritte (aber auch manche Anfänger von Beginn an) zu einer besonderen Form der Meditation, dem Stock- oder Schwerttraining.

Dazu kann ich noch nichts schreiben. Mir reichen bislang die 2 Stunden.