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Tai Sabaki

Der Tai Sabaki ist einer der ersten, schönsten und am häufigsten verwendeten Grundschritte im Kinomichi.

Es ist eine Dreischrittfolge, bei der viele Europäer sofort an den Walzer denken: Ein langer Gleitschritt gefolgt von zwei schnellen Drehschritten. Eine wunderschöne Spiraleform, die wir scheinbar schon aus den Urzeiten der Spiralnebel, der Wasserwirbel, prähistorischen Muscheln bis zum Spiel der Delphine und Menschen  in uns tragen.

Die Erwartungshaltung

Der hintere Fuß steht quer. Er ist verwurzelt am Boden und trägt den Körper über sich. Der vordere Fuß ist gestreckt, behält aber mit den Zehen festen Bodenkontakt. Der gestreckte Zeigefuß ist der T-Strich, der Standfuß der T-Balken. Die Armhaltung gleicht denen der Beine. Die Augen folgen dem Zeigefinger des vorderen Zeigearms. Der hintere Arm liegt hinten am Körper.

Der erste Schritt startet die Spirale

Nun beginnt Schritt 1. Es erhebt sich der hintere Fuß spiralförmig auf die Zehen. Diese Bewegung wird begleitet und unterstützt durch den hinteren Arm, dessen Zeigefinger den Anfang einer Spiralform in die Luft zeichnet. In der Drehbewegung entfernt sich der hintere Arm langsam vom Körper. Beide Arme bilden einen Kegel und zeichnen in der Drehung eine Kreisform um die Hüfte. Der Zeigefuß gleitet als Schritt-Eins-Fuß nach vorn und folgt dabei der Richtung, die der Zeigefinger des vorderen Armes vorgibt. Er dreht sich beim Aufnehmen der Körperlast also quer nach außen. Diese Spiralbewegung nimmt den ganzen Körper mit. Der Köper schraubt sich in einer 90-Grad-Drehung um die eigene Achse aufrecht in die Höhe.

Der zweite Schritt vollendet die Drehung

Der noch vordere Fuß übernimmt kurzzeitig das Körpergewicht, um es in Schritt 2 direkt an die Zehen des anderen Fußes zu übergeben. Der Körper dreht sich weiter um 90 Grad, wobei der nun frei werdende Fuß ähnlich wie am Anfang der hintere Arm sich in einer beginnenden Spirale von der Körperachse entfernt bis er eine Kreisform auf dem Boden zeichnet.

Im dritten Schritt moduliert die Drehungsenergie die körpereigene Spirale

Mit Erreichen der nunmehr 180-Grad-Drehung des Körpers wird in Schritt 3 der anfängliche Zeigefuß nun der neue Standfuß und ist damit als neuer hinterer Fuß der T-Balken, über dem der Körper aufrecht eine Linie bildet. Die Zehen des neuen vorderen Fußes behalten festen Bodenkontakt in der T-Linie. Der Oberkörper setzt die Spiralbewegung mit seinen wie ein Rocksaum schwingenden Armen fort bis der Endpunkt erreicht ist.

Der Körper gleicht nun einer spiralförmig aufgedrehten Feder.

Diese Verwringung leitet den Impuls zur Gegenbewegung ein, warum nicht noch ein Tai Sabaki, nur jetzt in entgegengesetzte Richtung.

Variationen

Die Tai Sabaki Bewegungen können entweder hin und her auf einer gerade Linie der Matten oder die man sich im Geiste vorstellt ausgeführt werden. Man kann sich aber auch mit jedem neuen Start eine neue Richtung geben, die der Geist dem Auge vorgibt und der Zeigearm und der Zeigefuß als Verlängerung des Auges folgen. Neben der Richtung kann die Schrittlänge variiert werden, insbesonder des ersten und dritten Schrittes.

Der erste Schritt vorwärts kann kurz, der zweite rückwärts ganz lang ausgeführt werden. Umgekehrt geht es auch. Die Drehung bei Schritt 2 kann einer Pirouette gleichend schnell und auf engstem Raum vollführt werden, während Schritt 1 und Schritt 3 langsam und ausgreifend sind.

Durch entsprechende Drehungen der  Handflächen können die gedachten Spiralen noch verdeutlicht werden. Sie können aber auch einfach die Richtung des Auges und dann der Drehkraft des Körpers folgen. Es gibt viele Varianten.

Zugleich aufmerksam und gelassen sein

Der Geist ist frei, sich immer mehr in eine Form zu finden oder sich in der Bewegung stets neue Formen auszudenken. Der Tai Sabaki ermöglicht es dir, gleichzeitig gelassen und aufmerksam zu werden. Der Körper kommt in Bewegung. Das Auf und Ab der Aufrichtung wird ein Atemrhytmus. Bei jeder Wendung verwurzelt sich der Körper immer wieder neu in der sicheren T-Stellung.

Aus dieser Kraftdreieckstellung heraus, kannst Du dich variabel (als Verteidiger, Uke im Aikido) in alle Richtungen auf einen möglichen Angreifer (Tori im Aikido) oder Partner (im Kinomichi) dynamisch bewegen, den Kraftimpuls aufnehmen und umleiten und dabei stets Deine eigene Mitte halten.

Du kannst dich aber auch einfach nur für dich oder im Augenkontakt mit den anderen durch den Raum bewegen. Dann fühlst Du Dich im Dojo wie in einem von vielen Kristallleuchtern hell erleuchtenden Ballsaal beim Wiener Walzer.